Was macht man eigentlich als Cosplay Contest Juror?

Hast du schon einmal bei einem Cosplay Contest mitgemacht und dich gefragt, wie das auf der anderen Seite des Bewertungstischs abläuft? Dann lass mich heute ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern!
Seit 2017 hatte ich die Ehre regelmäßig für Cosplay Wettbewerbe als Juror tätig zu sein. Auch wenn ich inzwischen einiges an Erfahrung sammeln durfte, so finde ich, lernt man bei jedem Contest etwas Neues dazu.
Das liegt zum einen daran, dass jede Convention beim Wettbewerb unterschiedliche Schwerpunkte setzt, die Bewertungsbögen unterschiedlich gestaltet sind, das Team der Juroren anders ist und jeder Teilnehmer eine andere Facette des Hobbys zum Vorschein bringt.
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Kommunikation ist das A und O
Bewerbungsphasen, Auswahlprozesse und die Kommunikation mit den Teilnehmern vorab - das alles läuft direkt über das Orga-Team der Veranstaltung. Als Juror hast du in der Regel wenig bis gar nichts damit zu tun. Das bedeutet, dass dir die Con, die für dich relevanten, Informationen zur Verfügung stellt. Dabei kann es aber passieren, dass die Orga kaum oder keine Contest-Erfahrung hat und du deshalb eben nicht alle relevanten Infos bekommst.
Kommunikation ist hier der Schlüssel. Als Juror setzt du dich nicht einfach an den Tisch und lässt dich bedienen, sondern du denkst selbstständig mit und erfragst dir, falls nötig, noch fehlenden Infos und gibst entsprechend Feedback.
Aber auch die Kommunikation mit den Teilnehmern ist wichtig. Du kannst davon ausgehen, dass jeder Teilnehmer vor seinem Auftritt nervös ist. Manche mehr, andere weniger. Außerdem präsentieren sie ihre Kostüme von allen Seiten und ziehen sprichwörtlich einmal vor den Juroren blank. Das ist keine angenehme Situation, daher ist es dein Job, es den Teilnehmern möglichst angenehm zu machen.

von links: SajaLyn, Artymus Garage, Eden Craft
Sei nett, respektvoll und empathisch
Gibt es beim Cosplay Contest ein Prejudging - also eine intensive Betrachtung und Bewertung des Cosplays vor dem eigentlichen Auftritt - ist dies die Möglichkeit die Teilnehmer und deren Kostüme kennenzulernen. Betrachte das Kostüm eingehend, aber sei stets respektvoll. Frage vorher nach, ob es in Ordnung ist, wenn du den Teilnehmer oder sein Cosplay berührst. Möchte der Teilnehmer das nicht, bitte ihn darum, dir die entsprechenden Kostümteile zu zeigen.
Beim Prejudging wird das Cosplay von allen Seiten betrachtet. Ebenso die Verarbeitung des Kostüms auf der Innenseite. Auch wenn das Prejudging in einem privaten Raum stattfindet, ist es wichtig, dem Teilnehmer die Aufregung zu nehmen.
Lass dir deine Gefühlsregungen, ob etwas besonders gut oder sehr unsauber gearbeitet ist, nicht anmerken. Versuche neutral oder generell eher positiv zu wirken, um allen Teilnehmern möglichst fair zu begegnen. Natürlich darfst du dem Teilnehmer auch sagen, wenn du etwas gelungen findest. Weise ihn aber nicht auf seine Fehler hin und übertreib nicht. Eine neutrale, faire und entspannte Atmosphäre ist das Ziel.
So wird bewertet
Bei den meisten Wettbewerben bekommt jeder Juror einen Bewertungsbogen. Manchmal sind alle Teilnehmer auf einem Bewertungsbogen abgebildet und manchmal gibt es pro Teilnehmer ein Einzelblatt. Dem Bewertungsbogen kannst du entnehmen in welchen Kategorien bewertet wird. Hier kann es sinnvoll sein, sich vorab den Bewertungsbogen anzusehen und mit deinen Mit-Juroren zu besprechen.
Sind alle Kategorien klar? Versteht jeder Juror dasselbe unter der jeweiligen Kategorie? Gibt es Kategorien, die ihr ändern oder sogar streichen möchtet? Ich hatte schon Bewertungsbögen in der Hand, bei denen wir kurzfristig eine Kategorie gestrichen oder umbenannt haben. Wichtig ist, dass sich das Judge-Team in diesen Punkten einig ist.
Die Kategorien sind häufig in zwei Klassen unterteilt: Auftritt und Kostüm. Je nach Gewichtung des Wettbewerbs gibt es zu diesen Klassen mehr oder weniger Kategorien.
Du kannst davon ausgehen, dass deine Teilnehmer die Bewertungsbögen nicht kennen und daher auch nicht einschätzen können, was genau bewertet wird. Deshalb kann es hilfreich sein, allen Teilnehmern vor dem Prejudging mitzuteilen, in welchen Kategorien bewertet wird. Das sorgt dafür, dass jeder ein besseres Gefühl für den gesamten Ablauf bekommen kann.

von links: SajaLyn, Maul Cosplay, eosAndy
Viele Bewertungsbogen arbeiten mit Skalen von bspw. 1 bis 10. Dabei ist 10 die Höchstpunktzahl. Jeder Juror entscheidet pro Kategorie für sich, wie viele Punkte er vergibt. Aber auch hier kann eine Absprache sinnvoll sein.
Jeder Judge hat einen anderen Fokus und bemerkt unterschiedliche Aspekte. Der Austausch hilft also, ein umfassenderes Bild vom betrachteten Cosplay zu erhalten. Natürlich entscheidest du am Ende immer noch selbst, wie viele Punkte du in der jeweiligen Kategorie vergibst. Berücksichtige die Argumente der anderen Juroren, aber höre auf dein Gefühl. Schließlich ist es gerade die Kombination aus den unterschiedlichen Juroren, auf die es ankommt.
Da man beim Cosplay Äpfel mit Birnen mit Bananen vergleicht, ist es gar nicht so einfach möglichst fair zu bewerten. Zum einen treten absolut unterschiedliche Kostüme an und zum anderen hat jeder Teilnehmer einen anderen Erfahrungsschatz und Skilllevel.
Halte es dir immer offen, deine Bewertung dynamisch anzupassen. Erst nach der ersten Bewertungsrunde, also dem Prejudging, hast du alle Teilnehmer einmal gesehen. Erst dann kannst du die gesamte Vielfalt und Spannbreite abschätzen. Es kann nämlich durchaus passieren, dass du beim vierten Teilnehmer die erste Bewertung nach oben oder nach unten korrigieren musst. Das kann dir tatsächlich bei jedem Teilnehmer passieren, auch beim letzten. Dann heißt es, sich erinnern und anpassen.
Für diesen Fall schreibe ich die erste Bewertung meist erst einmal in klein in das Kästchen. Manchmal schreibe ich auch zwei Zahlen auf, um später schnell reagieren zu können oder einfach um mir zu merken, dass ich mir mit der Bewertung noch nicht sicher bin und ich diese noch einmal überdenken möchte.
Bei der eigentlichen Performance der Teilnehmer bewertest du dann alle Kategorien unter "Auftritt". Hier heißt es schnell sein. Während der Auftritt läuft musst du bereits Entscheidungen treffen und dir gegebenenfalls Notizen machen. Dabei darfst du natürlich nicht die Performance aus den Augen verlieren.
Die finale Auswertung und Platzvergabe
Während der gesamten Bewertung gilt es Hard Skills, aber auch Soft Skills und äußere Umstände zu betrachten. Natürlich wird in erster Linie die Verarbeitung und Komplexität des Cosplays bewertet. Bei der Bewertung solltest du aber auch berücksichtigen, welche Mittel der Cosplayer zur Verfügung hatte und welchen Erfahrungsschatz er mitbringt. Das kannst du natürlich nur wissen, sofern der Cosplayer dies beim Prejudging im Gespräch angibt.
Einen Cosplay-Anfänger bewertest du in der Regel beispielsweise nicht ganz so streng wie jemanden, der eine Ausbildung zum Modeschneider gemacht hat. Elemente die per Hand ausgeschnitten oder gestickt wurden, bewertest du auch anders, als Elemente die mit einem Plotter oder einer Stickmaschine angefertigt wurden. Natürlich ist es wichtig hier einen guten Mittelweg zu gehen, denn jemand der eine Ausbildung gemacht hat, sollte nicht benachteiligt und jemand, der zum ersten Mal mitmacht, nicht bevorzugt werden. Kontext ist wichtig, um möglichst gerecht bewerten zu können.

von links: Eden Craft, SajaLyn, Artymus Garage
Nachdem der Cosplay Contest soweit abgeschlossen ist, zieht sich die Jury zur finalen Bewertung zurück. Offene Fragen werden untereinander geklärt, Eindrücke besprochen und der Bewertungsbogen ausgewertet. Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder werden die Bewertungsbögen aller Juroren direkt zusammengerechnet oder jeder Juror ermittelt erst einmal für sich die mögliche Platzierung. So oder so wird die anhand der Punktzahl ermittelte Platzierung noch einmal besprochen.
Die Bewertung durch Punktvergabe soll nämlich in erster Linie den Juroren eine Hilfe sein und bei Bedarf der Nachvollziehbarkeit dienen. Ist jeder mit der Platzierung einverstanden, kann man der Moderation ein Zeichen geben, um die Siegerehrung zu beginnen. Gibt es noch Unklarheiten, Punktgleichheit oder Gesprächsbedarf, wird diskutiert, bis man sich auf eine stimmige Platzierung einigen konnte.
Bei vielen Wettbewerben darfst du als Juror die Preise an die Sieger vergeben. Bereite dich darauf vor, dass du gegebenenfalls ein bis zwei Sätze sagst, um die jeweilige Platzierung zu begründen. Achte auf eine kurze, klare und nachvollziehbare Begründung. Sprich positiv und wähle deine Worte weise, um Niemanden vor dem Kopf zu stoßen.
Damit ist es auch schon geschafft! Du hast erfolgreich einen Cosplay Contest als Juror begleitet. Nun kann es sein, dass einige Teilnehmer im Anschluss gerne noch persönliches Feedback abholen möchten, um es beim nächsten Mal noch besser zu machen. Verhalte dich auch hier ebenso professionell.
Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte ich als Judge mitbringen?
Ein guter Juror zu sein bedeutet nicht, dass du X Jahre lang Cosplay gemacht, X Contests gewonnen, X Kostüme angefertigt, X Follower haben oder unzählige Auszeichnungen erhalten haben musst.
Natürlich können all diese Aspekte ins Gewicht fallen. Du musst nicht der Über-Cosplayer schlechthin sein, um dich als Juror zu qualifizieren. Natürlich solltest du gewisse Grundlagen mitbringen. Hast du in einem bestimmten Bereich eine Expertise, also besonders viel Erfahrung? Umso besser!
Unser Hobby ist vielfältig, so gibt es viele Aspekte, die berücksichtigt werden können: Performance (Posing), MakeUp, Wig Styling, Näharbeit, Crafting, Komplexität des Kostüms, Wahl der Materialien, Verarbeitung und und und.
Letztendlich sollte ein guter Juror etwas Erfahrung mitbringen, empathisch sein, versuchen so objektiv wie möglich zu sein und vor allem das große Ganze im Blick haben.

Wie werde ich Juror?
Wenn du anfangen möchtest als Cosplay Contest Juror aktiv zu sein, gilt es, dich genau dafür zu bewerben. Manchmal suchen Conventions nach neuen Juroren. Häufig kommt man bei kleineren Conventions über Kontakte und Empfehlungen in den Genuss.
Frage aktiv bei Conventions nach, ob Bedarf besteht und stelle dich und deine Expertise vor. Hast du bereits Erfahrung als Judge? Dann erwähne dies unbedingt.
Hast du noch keine Erfahrung als Juror eines Cosplay-Wettbewerbs gesammelt, dann fang bei kleineren Events an. Kleine Conventions sind ein super Einstieg. Egal ob du Workshops halten, bei einem Contest teilnehmen oder als Juror arbeiten möchtest.
Brauche ich viele Follower?
Die Zahl deiner Social Media Follower spielt eigentlich keine Rolle und sagt nichts darüber aus, ob du als Juror geeignet bist. Es gibt aber einige Veranstaltungen, die die Anzahl der Follower berücksichtigen.
Warum? Ganz einfach! Hast du viele Follower bedeutet das, das du, sofern du über das Event berichtest, auch für die Veranstaltung wirbst. Durch diese Werbung erfahren mehrere Personen von der Convention und kaufen vielleicht auch eine Eintrittskarte.
Heutzutage hat Social Media keine zu vernachlässigende Wirkung. Leider bedeutet das aber auch, dass Follower auf Instagram & Co bei Entscheidungen immer wieder in Betracht gezogen werden. Sie sind vereinfacht gesagt ein Indiz für die Bekanntheit deiner Arbeit beziehungsweise deiner Person.
Daher folgende Empfehlung an dich, solltest du daran arbeiten dich als Cosplayer zu professionalisieren und Geld zu verdienen: Nutze die Plattformen und die damit verbundene Sichtbarkeit für dich!

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass es unterschiedlichste Cosplay-Wettbewerbe gibt. Wie der Contest abläuft und welche Rahmenbedingungen vorherrschen, ist stest von der Veranstaltung abhängig. So habe ich schon bei Contest als Juror gearbeitet, bei denen es kein Prejudging gab oder nicht einmal einen Bewertungsbogen. Kommunikation ist hier das A und O!



