Traumcosplay trotz Pandemie - Making of: Tira - Soul Calibur IV Cosplay

"Jetzt oder nie!" - so lautet wohl mein Leitspruch für die meisten meiner Traumcosplays. Nachdem ich Anfang des Jahres 2020 einen richtigen Lauf beim Cosworken hatte und endilch mein Traumprojekt Aschenbrödel in die Tat umsetzte, beschloss ich, direkt mit dem nächsten Traumcosplay weiterzumachen.
Leider kamen mir Corona und damit Projekte mit höherer Priorität sowie ein kleiner Motivationsverlust in die Quere. Dadurch zog sich mein "Jetzt oder nie - Tira Projekt" etwas in die Länge. Aufgrund der Corona Krise war ich tatsächlich gezwungen viel auf vorhandenes Material zurückzugreifen, um den Geldbeutel zu schonen. Anstatt also im Mai 2020 für die Dokomi damit fertig zu sein, war ich dann im Oktober 2020 fertig.
Und so habe ich mein Cosplay gemacht:

Der rote Anzug
Schnittmustererstellung
Da ich bei diesem Kostümdesign leider nicht auf vorhandene Schnittmuster zurückgreifen konnte, wurde es an der Zeit, ein eigenes zu erstellen. Ich bat meinen Partner Philipp darum mich zunächst einmal komplett in Frischhaltefolie einzuwickeln und anschließend mit Tape abzukleben. Der Kokon wurde entsprechend beschriftet und das Kostümdesigns aufgezeichnet. Anschließend schnitt mich Philipp vorsichtig aus dem Kokon heraus.
Die Basis
Nachdem der Schnitt soweit feststand, ging es auch schon an die Umsetzung. Für das Kostüm entschied ich mich für einen roten One-Way-Stretch-Cordstoff. Wie üblich hatte ich mehr als genug davon gekauft, sodass ich meinen ersten Fehler direkt ausbügeln konnte.
Denn als ich das erste Schnittteil zuschnitt, stellte ich fest, dass der Cordstoff nur in eine Richtung "streichbar" ist. Kurzerhand entschloss ich also das Kostüm doppellagig zu nähen. Da beim Tragen des Kostüms auch die Innenseite sichtbar werden könnte, war dies grundsätzlich keine schlechte Lösung.
Streifen und Verzierungen
Mit rotem Cordstoff allein war es allerdings noch nicht getan. Betrachtet man Tiras Anzug genau, erkennt man leichte Streifen und andere Verzierungen. Nach langer Überlegung beschloss ich, es mit einem engen Zick-Zack-Stich in "Knopflochlänge" zu versuchen und die Streifen und Verzierungen aufzunähen. Als Fadenfarbe wählte ich ein helles Beige.
Die Muster zeichnete ich mit Schneiderkreide vor, sodass ich beim Nähen nur noch den Markierungen folgen musste. Einige Rollen beiger Nähfaden später, mehr Rollen, als ich gehofft hatte zu brauchen, war es dann endlich geschafft.
Anschließend versäuberte ich die Schnittteile mit meiner Overlock, um unnötiges Ausfransen zu verhindern.
Einzelnes gehört zusammen
Nachdem auch dieses Stück Arbeit erledigt war, nähte ich die einzelnen Teile entsprechend meiner Schnittmusterkonstruktion zusammen. Auch der türkisfarbene Federschmuck und Ösen für die Schnürung am Rücken befestigte ich gleich mit.
Und natürlich durfte - ganz Coronakonform - eine Maske im Tira-Design nicht fehlen! Quasi als kleine Anekdote zum Timing.


Ledernes Gewand
Neben des roten Anzugs besteht Tiras Outfit auch aus einigen Lederteilen. Zum einen aus einem knappen Lederhöschen, aus dem gerne mal ein Maurer-Dekolleté hinaus blitzt - so knapp habe ich aber mein Höschen nicht geschnitten - und zum anderen aus dem Leder-BH.
Für die Hose nutzte ich ein vorhandenes Höschen, an welchem ich ein Schnittmuster abpauste. Auch hier durfte der Testschnitt nicht fehlen.
Den Leder-BH konstruierte ich frei Schnauze und nutzte auch hier wieder ein Probestück als Grundlage.
Als Verschluss dienten Druckknöpfe, die ich zum Teil auch als Befestigung direkt am roten Anzug anbrachte.
Zu guter Letzt nähte ich noch die Handschuhe in einfacher Variante - Hand abpausen & umnähen - als Basis für die darauffolgenden Rüstungsteile. Natürlich wurden auch diese Kostümteile anschließend mit Farbe bearbeitet, um sie etwas abgenutzer erscheinen zu lassen. Allerdings griff ich hier auf Acrylfarbe zurück, da die Stoffarbe auf dem Kunstleder nicht haften würde.
Kleinvieh macht auch Mist
Für die Anzugdetails (Nieten & Ringe) arbeitete ich mit Fimo und Holzringen, welche ich mit Gold besprühte und später mit Acrylfarbe altern ließ.
Für den Gürtel ummantelte ich Foam mit Stoff, fixierte das Ganze mit Ziernähten und setzte anschließend die Nieten. Die Gürtelschnalle formte ich aus Fimo.

Schuhüberzieher
Kurz vor dem Shooting entschied ich mich gegen die ursprünglich von mir gewählten Schuhe, also nähte ich kurzerhand Schuhüberzieher. Da mir diese Idee erst am Abend vor dem Shooting kam, musste es entsprechend schnell gehen.
Für die Grundform orientierte ich mich an den Stiefeln, die ich unter den Schuhüberziehern tragen wollte und optimierten diese dann Schritt für Schritt. Da ich keinen weiteren passenden Stoff für die Schnallenbänder der Schuhe hatte, bemalte ich das Stretchleder mit Acrylfarbe.
Rüstungsteile für den Kampf
Nachdem das Grundkostüm soweit stand, wurde es Zeit an den Rüstungsteilen zu arbeiten. Mit Hilfe von Philipp designte ich die Grundform des Kragens, welcher aus zwei separaten Teilen aus Foam gefertigt wurde.
Die Grundform, die wir zunächst aus Papier anfertigten, diente anschließend als Schablone für den eigentlichen Kragen. Aus einem zweiten Kragen-Set schnitt ich dann die benötigten Verzierungen aus.
Die Verzierungen legte ich Freihand an, wobei ich mich hierbei etwas an dem Cosplay von zephyrmakesthings orientierte. Die ausgeschnittenen Verzierungen klebte ich dann mit Heißkleber an den Kragen.
Auf die gleiche Weise fertigte ich die Rüstung des Handschuhs an. Nur für die Krallen nutzte ich Black Worbla Art, da diese so leichter zu formen waren. Die Verzierungen der Handschuhplatte sind im Gegensatz zum Kragen eher filigran, weswegen ich auf Perlen-Stifte zurückgriff, um die Verzierungen aufzumalen.
Die gleiche Methode verwendete ich auch bei der herzförmigen "Tasche", die man an Tiras Gürtel sehen kann. Die fertig gestellten Rüstungsteile, überzog ich dann mit mehreren Schichten Holzleim, um die Oberfläche zu glätten und um das Konstrukt zu stabilisieren.
Anschließend bemalte ich alle Rüstungsteile mit Acrylfarbe. Auch die Rückseite der Rüstung wurde zum Teil mit Holzleim und Farbe bearbeitet. Für den Verschluss des Kragens verwendet ich Magnete.
Zu guter Letzt wurden alle Teile entsprechend mit Heißkleber zusammengesetzt, Federn hinzugefügt oder an Stoff geklebt, der dann wiederum mit Stoffkleber an das eigentliche Kostüm fixiert wurde.
Gesamtlook des Grundkostüms
Die Perücke
Für die Perücke verwendete ich eine Zopf-Perücke und Clip-In Tressen von Kasou Wig. Leider war meine Wunschfarbe nicht lieferbar, weswegen ich die Perücke in einem helleren Braun wählte.
Ich schnitt den Pony, setzte einen der beiden Zöpfe neu, toupierte beide und fixierte alles mit Haarspray. Für den dritten Zopf am Hinterkopf verwendete ich eine Clip-In-Tresse, welche ich flocht und anschließend feststeckte.
Die Ringklinge
Zugegeben, ich habe wenig Erfahrung mit Props- oder Rüstungsbau und bin deshalb noch unsicher. Bei Tira gehört die Waffe nun aber einmal ganz unwiderruflich zum Kostüm. Daher musste ich die Waffe auf jeden Fall umsetzen.
Zum Glück hatte Philipp eine Idee, wie wir trotz finanzieller Einschränkungen, eine Waffe bauen konnten, die zumindest für Fotos funktionierte!
Anhand eines fertigen 3D-Modells aus dem Internet, fertigte Philipp die Grundform der Waffe an und übertrug sie als Test auf Pappe. Für den zweiten kleineren Ring, zeichnete ich die Form für Philipp vor, welche er dann am Model nach konstruierte.
Aus altem und eher minderwertigen Holz (man nimmt, was man kriegt), fertigten wir dann die Waffe mit Hilfe einer CNC Fräse, welche uns zum Glück zur Verfügung stand.
Philipp schraubte und klebte die Einzelteile zusammen, schliff und grundierte sie, sodass ich die Waffe mit Acrylfarbe bemalen konnte. Sicherlich keine Methode, die ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann, besonders da wir hier mit eher minderwertigem Holz gearbeitet haben.
Aber wenn es während Corona die einzige Möglichkeit auf eine Ringklinge fürs Cosplay ist, dann greift man zu und genießt es, das Cosplay vollständig in Szene setzen zu können!
Der finale Look
Rückblickend betrachtet muss ich sagen, dass das Projekt für mich sehr aufwendig war. Das erste Material traf Anfang des Jahres ein, dann kam Corona. Zugegeben, die Motivation war definitiv nicht immer gegeben, aber ich zog durch und war überrascht, wie viele Wege es gibt, wenn man ein Cosplay kostengünstig gestalten möchte!
























































