Natürliche Cosplayfotos: Warum ich auf starke Retusche verzichte

Du kennst sie sicher auch: Cosplayfotos, bei denen du minutenlang staunend auf den Bildschirm schaust. Absolut makellose Haut, wohlgeformte Körper, leuchtende Augen und eine Bearbeitung, bei der man kaum erkennen kann, wo Fotografie aufhört und Digital Art anfängt.
Diese Fotos gehören sowohl zur Cosplayszene als auch zur Fantasyfotografie dazu. Sie sind absolut faszinierend und ich verstehe nur zu gut, warum sie auf Social Media so viel Aufmerksamkeit erhalten.
Trotzdem habe ich mich bei meinen eigenen Cosplayfotos für eine andere Herangehensweise entschieden: Ich möchte mich stets noch selbst darin erkennen können.
Ich bevorzuge Fotos, die zwar bearbeitet und retuschiert sind, aber mein Aussehen nicht grundlegend verändern. Für mich persönlich gehört zum Hobby dazu, mich selbst im Cosplay noch erkennen zu können. Ich möchte sehen, was ich daraus gemacht habe!
Warum ich natürliche Cosplayfotos bevorzuge
Für viele gehört es beim Cosplay dazu, sich optisch möglichst umfassend an einen Charakter anzunähern. Kostüm, Perücke, Make-up und Posing verändern mein Aussehen und lassen mich zu meinem Lieblingscharakter werden.
Photoshop kann dabei ein weiteres Werkzeug sein, um noch stärker mit dem jeweiligen Charakter zu verschmelzen. Photoshop hilft, um aus der unperfekten Realität eine scheinbar perfekte Welt zu erschaffen. Störende Elemente werden entfernt, kleine Fehler ausgebügelt und das Bild so bearbeitet, dass ein kleines Kunstwerk entsteht.
Mir persönlich ist es aber wichtig, mich selbst noch zu erkennen. Ich möchte einen Charakter darstellen, so wie ich bin - mit allen Ecken und Kanten. Ich möchte das Cosplay zu meinen Cosplay machen und ihm Persönlichkeit verleihen.
Am Ende möchte ich mein Foto ansehen und denken:
Das bin ich. Das habe ich geschafft!
Deshalb fasziniert es mich viel mehr, wenn jemand einen Charakter auf seine persönliche Weise darstellt. Ich möchte sehen wie individuell das Cosplay aufgrund des Kostüms, des Make-ups, der Pose und der Ausstrahlung des Cosplayers wirkt.
Ich möchte auf diese Weise die Liebe zum Charakter spüren und kein glattgebügeltes Foto bewundern, bei dem die Person hinter dem Cosplay durch die Bearbeitung in den Hintergrund tritt.

Es ist meine Leistung
Wenn ich durch meine eigene Darstellung den Charakter überzeugend präsentiere, habe ich viel stärker das Gefühl, dass ich etwas großartiges geschafft habe! Die Fotografie hält für mich diesen Moment fest. Durch die Bearbeitung verleihe ich ihm nur etwas zusätzliche Magie und Glamour, ohne es zu sehr zu perfektionieren.
Bei sehr stark bearbeiteten Fotos habe ich stattdessen den Eindruck, dass ein Teil der Darstellung erst nachträglich am Computer entstanden ist. Sicher, das ist natürlich eine ebenso legitime Art der Bildgestaltung und kann extrem beeindruckende Ergebnisse hervorbringen.
Für meine eigenen Fotos ist es aber nicht das, was ich möchte und was mir langfristig ein gutes Gefühl gibt.
Umso wichtiger ist mir, dass bei der Bildbearbeitung meine persönlichen Merkmale nicht verloren gehen und mich zu einem anderen Menschen machen.
So wie andere Cosplayer ihre Tattoos oder Piercings auch stolz im Cosplay zeigen, möchte ich meine eigenen Merkmale nicht verstecken.
Schließlich sehe ich in Wirklichkeit auch so aus.
Was ich trotzdem retuschiere
Natürliche Cosplayfotos bedeuten für mich übrigens nicht, dass diese komplett unbearbeitet bleiben müssen. Selbstverständlich darf auch etwas Magie und Glamour nicht fehlen!
Ich versuche deshalb das zu retuschieren, was grundsätzlich auch mit Make-up, Styling oder kleinen Korrekturen vor dem Shooting behoben werden könnten. Eine verrutschte Wig, störende Falten im Kostüm oder Hautunreinheiten dürfen selbstverständlich verschwinden.
Auch störende Personen oder andere Elemente entferne ich natürlich, wenn sie vom eigentlichen Motiv ablenken.
Mein persönlicher Grundsatz lautet deshalb: Ich retuschiere, was auch Make-up oder Styling verändern könnte, aber ich verändere nicht meinen Körper oder mein Gesicht.
Das ist einfach meine persönliche Entscheidung. Andere dürfen ihre Fotos selbstverständlich so bearbeiten, wie es ihnen gefällt.
Für mich ist, aber genau diese Grenze wichtig, damit ich mich auf meinen Fotos wiedererkenne.
Natürliche Fotos und die Selbstliebe
In meiner Jugend habe ich mich selbst auf Fotos nicht unbedingt gerne gesehen. Vor allem mein eigenes Gesicht war mir oft fremd und ich habe viele Aspekte wahrgenommen, die mir nicht gefallen haben.
Mit der Zeit hat sich das verändert. Denn ich habe gelernt wie ich tatsächlich aussehe.
Je häufiger ich mich auf Fotos oder in Videos sah, desto vertrauter wurde mir mein eigenes Gesicht. Irgendwann habe ich angefangen, bewusst Dinge zu suchen, die ich an mir schön finde, anstatt mich an dem zu stören, das ich nicht so toll fand.
Deshalb sind mir natürlichere Fotos wichtig. Sie zeigen mir, wie ich bin, nicht wie ich "optimiert" aussehen könnte.
Für mich war diese Erkenntnis unglaublich wichtig: Ich muss nicht perfekt sein. Ich muss nur lernen, mich selbst zu sehen.






